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14.09.2015

Jubiläum in einer Zeit des Umbruchs

NRW-Schulministerin beim Auftakt der 475-Jahr-Feier des FGH

Jubiläum in einer Zeit des Umbruchs

NRW-Schulministerin beim Auftakt der 475-Jahr-Feier des FGH

Von Peter Schelberg

Herford(HK). »Stellen Sie sich auch weiterhin den Herausforderungen unserer Gesellschaft«: Diesen Appell hat Sylvia Löhrmann gestern an die Akteure des Herforder Friedrichs-Gymnasiums gerichtet. Die NRW-Schulministerin war Ehrengast beim Auftakt der Jubiläumsfeiern zum 475-jährigen Bestehen des FGH.

Sie verwies dabei insbesondere auf die Inklusion als Entwicklungsaufgabe und die Notwendigkeit der Integration von Flüchtlingen. Die Ministerin erinnerte auch daran, dass das FGH die fünfälteste Schule im deutschsprachigen Raum sei und charakterisierte das Gymnasium als ebenso traditionsbewusste wie zukunftsorientierte Schule.

Gefeiert werde das 475-jährige Bestehen als städtische Schule, sagte FGH-Leiterin Gudrun Horst de Cuestas in der Aula. Eigentlich müsse aber auf ein mehr als 1000-jähriges Bestehen zurückgeblickt werden, erinnerte sie daran, dass damals beispielsweise schon der isländische Bischof Isleif seine Ausbildung in Herford erhalten habe. Wie wichtig es sei, in Bildung und Aufklärung zu investieren, betonte Bürgermeister Tim Kähler: »Das lehrt uns die Geschichte.« Unter den Herforder Bildungseinrichtungen spiele das FGH bis heute eine besondere Rolle. In den Anmeldezahlen spiegele sich auch die gute Arbeit, die hier geleistet werde.

Die »Bedeutung des Gymnasiums im 16. Jahrhundert« beleuchtete Prof. Dr. Dr. Ulrich Knefelkamp in seiner humorvollen Festrede, die in fünf Akte gegliedert hatte. Der 64-jährige FGH-Absolvent und Historiker lehrt seit 1994 an der Europa-Universität Viadrina. Eine Kontinuität des einstigen Herforder Frauenstifts zum Friedrichs-Gymnasium sei nicht aus seiner Sicht zwar nicht nachvollziehbar, sagte Knefelkamp abschließend zur Frage nach dem korrekten Anlass des Jubiläums. Man könne aber die alte Lateinschule heranziehen. »Sicher ist, dass diese 1540 in eine neue Schulform überging. Der letzte Rektor war Gründungsrektor der neuen Höheren Schule. Und deren Gründungsjubiläum feiern wir heute zu recht.«

Mit einem kritischen Kommentar schloss der Wissenschaftler aus Herford seine ebenso interessanten wie kurzweilig präsentierten Erkenntnisse. Er habe bereits einige Bildungsreformen erlebt und nun scheine wieder eine Zeit des Umbruchs bevorzustehen: »Die globale, mediale und schnelle Informationswelt mit ihren neuen Herausforderungen für junge Menschen verlangt dringend neue Lehr- und Lehrformen.« Das bedeute aber nicht, dass elementare Grundkenntnisse in Kernfächern vernachlässigt werden dürften.

Er habe in mehr als drei Jahrzehnten Universitätsarbeit einen enormen Qualitätsverlust im Wissen und Verstehen von Texten und komplexen Zusammenhängen und auch in der Persönlichkeitsentwicklung bei Abiturienten festgestellt. »Den letzten Schub gab es noch durch das G 8-Abitur«, sagte Prof. Knefelkamp unter Beifall zahlreicher Zuhörer. Er empfahl, mehr jungen Menschen eine Alternative zum Studium anzubieten. Sonst drohe das Niveau der Universitäten weiter abzusacken.

Aus dem "Herforder Kreisblatt" vom 14.09.2015.